A prayer on the motorwayEin Gebet auf der Autobahn
For several years I prayed the same prayer on the same stretch of motorway. I had just left an early-morning men’s group near Frankfurt, an hour of prayer and honest conversation that had briefly opened something in me, and I was driving to the office where the day would close it again. Alone in the car, in the dark, I asked God to take me out of the firm if this was not where he wanted me. Open a door. Show me a window. Why are you silent?Über mehrere Jahre betete ich dasselbe Gebet auf demselben Stück Autobahn. Ich kam gerade aus einer Männergruppe am frühen Morgen in der Nähe von Frankfurt, einer Stunde des Gebets und ehrlicher Gespräche, die etwas in mir für einen Moment geöffnet hatte. Dann fuhr ich ins Büro, wo der Alltag es wieder verschliessen würde. Allein im Auto, im Dunkeln, bat ich Gott, mich aus der Firma herauszunehmen, wenn er mich nicht hier haben wollte. Öffne eine Tür. Zeig mir ein Fenster. Warum schweigst du?
I heard nothing. No voice, no sign, only the motorway and the silence. So one morning I made a decision that shaped the next decade of my life. If God would not answer, I would take his silence as consent, and I would keep running.Ich hörte nichts. Keine Stimme, kein Zeichen, nur die Autobahn und die Stille. Also traf ich eines Morgens eine Entscheidung, die das folgende Jahrzehnt meines Lebens prägte. Wenn Gott nicht antwortete, würde ich sein Schweigen als Zustimmung nehmen und weiterlaufen.
I was working sixteen-hour days at a Big Four firm, and I had been a Christian for several years. I prayed, I served, I believed. None of it had changed what was driving me. I can see now what I could not see then: I was asking God to change my circumstances. I was not asking him to change me.Ich arbeitete sechzehn Stunden am Tag bei einer der Big-Four-Gesellschaften und war seit einigen Jahren Christ. Ich betete, ich diente, ich glaubte. Nichts davon hatte verändert, was mich antrieb. Heute sehe ich, was ich damals nicht sehen konnte: Ich bat Gott, meine Umstände zu ändern. Ich bat ihn nicht, mich zu ändern.
The self-made soulDie selbstgemachte Seele
That is the shape of what I have come to call the self-made soul. It is not arrogance, and it is not usually unbelief. It is a quiet conviction, laid down early, that no one is coming and that everything depends on me. It rests on competence, control, recognition and results, and it works, which is precisely the problem.Das ist die Gestalt dessen, was ich die selbstgemachte Seele nenne. Sie ist keine Arroganz, und meist ist sie auch kein Unglaube. Sie ist eine stille, früh angelegte Überzeugung, dass niemand kommt und alles von mir abhängt. Sie ruht auf Kompetenz, Kontrolle, Anerkennung und Ergebnissen, und sie funktioniert. Genau das ist das Problem.
The self-made leader is promoted, trusted and given more. More weight demands more effort, and more effort confirms the conviction. Whatever is achieved, it is never quite enough, because enough was never the point. The point was proof.Der selbstgemachte Leiter wird befördert, man vertraut ihm, man gibt ihm mehr. Mehr Gewicht verlangt mehr Anstrengung, und mehr Anstrengung bestätigt die Überzeugung. Was immer erreicht wird, es ist nie ganz genug, weil es nie um genug ging. Es ging um den Beweis.
Faith does not automatically dismantle this architecture. In my case it was simply absorbed into it. God was honoured in language, while the self remained the load-bearing structure.Der Glaube baut diese Architektur nicht automatisch ab. Bei mir wurde er einfach in sie eingebaut. Gott wurde mit Worten geehrt, während das eigene Ich die tragende Struktur blieb.
Two emailsZwei E-Mails
A crisis can interrupt this pattern. It does not have to transform it.Eine Krise kann dieses Muster unterbrechen. Verwandeln muss sie es nicht.
Years later, leading an international humanitarian organisation through a difficult season, I watched a governance decision go against everything I had warned about. I walked into the forest near the office and shouted my anger at the trees. The same day I wrote my resignation and sent it. I had not prayed. I may have been right about the decision. But being right is not the same as being faithful. I left in exhaustion and in pride, returned to the commercial world, and started building again, faster than before.Jahre später leitete ich eine internationale humanitäre Organisation durch eine schwierige Zeit. Ich sah zu, wie eine Governance-Entscheidung gegen alles fiel, wovor ich gewarnt hatte. Ich ging in den Wald beim Büro und schrie meine Wut in die Bäume. Am selben Tag schrieb ich meine Kündigung und schickte sie ab. Ich hatte nicht gebetet. Vielleicht hatte ich in der Sache recht. Aber recht zu haben ist nicht dasselbe wie treu zu sein. Ich ging aus Erschöpfung und aus Stolz, kehrte in die Wirtschaft zurück und begann wieder zu bauen, schneller als zuvor.
Much later I sent another email of the same kind, stepping out of two companies I had helped to found. Outwardly the act was identical: a man at a desk, a short message, a door closing behind him. Inwardly everything was different. The first email walked away from a calling I did not yet understand. The second walked towards one I could finally see. Nothing had forced me. The companies were functioning and the income was real. For the first time, my surrender was not capitulation.Viel später schickte ich eine E-Mail derselben Art und trat aus zwei Firmen aus, die ich mitgegründet hatte. Äusserlich war es dieselbe Handlung: ein Mann am Schreibtisch, eine kurze Nachricht, eine Tür, die sich hinter ihm schliesst. Innerlich war alles anders. Mit der ersten E-Mail wandte ich mich von einer Berufung ab, die ich noch nicht verstand. Mit der zweiten wandte ich mich einer Berufung zu, die ich endlich erkennen konnte. Nichts hatte mich gezwungen. Die Firmen liefen, und das Einkommen war real. Zum ersten Mal war meine Hingabe keine Kapitulation.
Between those two emails lies what I mean by a threshold. On its own, a crisis guarantees nothing; it can lead to bitterness, to withdrawal, or to a harder return to the old pattern. It becomes a threshold when another answer becomes possible, and when we are willing to be changed rather than merely restored. Only in retrospect have I come to read some of my crises as moments of grace. Not because suffering is good in itself, and not because God engineers every painful turn, but because the interruption opened a space in which I could answer differently.Zwischen diesen beiden E-Mails liegt, was ich eine Schwelle nenne. Für sich allein garantiert eine Krise nichts; sie kann in Bitterkeit führen, in den Rückzug oder in eine noch verbissenere Rückkehr zum alten Muster. Zur Schwelle wird sie, wenn eine andere Antwort möglich wird und wir bereit sind, uns verändern zu lassen, statt nur wiederhergestellt zu werden. Erst im Rückblick habe ich gelernt, manche meiner Krisen als Momente der Gnade zu lesen. Nicht weil Leiden an sich gut wäre, und nicht weil Gott jede schmerzhafte Wendung herbeiführt, sondern weil die Unterbrechung einen Raum öffnete, in dem ich anders antworten konnte.
Language for an inner pathSprache für einen inneren Weg
For a long time, what happened between those two emails had no name. The vocabulary of church did not quite reach it, and most leadership literature did not try. While writing The Soul of the Leader, I was trying to understand my own story before God, and slowly a path became visible that I had been walking without words. Much of it took shape in a season of fasting and slow walks along Lake Constance, when the noise in my head thinned and, one morning, a direction was simply clear.Lange hatte das, was zwischen diesen beiden E-Mails geschah, keinen Namen. Die Sprache der Kirche reichte nicht ganz heran, und die meiste Führungsliteratur versuchte es gar nicht erst. Beim Schreiben von The Soul of the Leader versuchte ich, meine eigene Geschichte vor Gott zu verstehen, und langsam wurde ein Weg sichtbar, den ich ohne Worte gegangen war. Vieles davon nahm Gestalt an in einer Zeit des Fastens und der langsamen Spaziergänge am Bodensee, als der Lärm in meinem Kopf leiser wurde und mir eines Morgens einfach klar war, in welche Richtung mein Weg führte.
Today I describe that path as five movements. It begins with learning to see: perceiving my own reality honestly, without explaining it away or dressing it up. It continues in learning to surrender, placing myself, my limits and the weight I carry into God’s hands, not once but again and again. Then comes learning to remain, staying connected to Christ in the ordinary rhythm of days when nothing dramatic is happening. From that connection grows bearing fruit, and running through all of it is drift and return: the honest admission that I will drift, and the discovery that grace makes return possible every time.Heute beschreibe ich diesen Weg als fünf Bewegungen. Er beginnt mit Sehen lernen: die eigene Wirklichkeit ehrlich wahrnehmen, ohne sie wegzuerklären oder zu beschönigen. Er setzt sich fort im Sich hingeben: mich selbst, meine Grenzen und das Gewicht, das ich trage, in Gottes Hände legen, nicht einmal, sondern immer wieder. Dann folgt Bleiben lernen: mit Christus verbunden bleiben im gewöhnlichen Rhythmus der Tage, an denen nichts Dramatisches geschieht. Aus dieser Verbindung erwächst die vierte Bewegung, Frucht bringen. Durch alles hindurch zieht sich Abdriften und Wiederkehr: das ehrliche Eingeständnis, dass ich abdriften werde, und die Entdeckung, dass die Gnade die Rückkehr jedes Mal möglich macht.
These are not stages to complete, and they are not a technique for spiritual self-improvement. They recur. Only later did I discover how many older voices had walked this ground before me: Paul, Meister Eckhart, Thomas Merton, Dallas Willard, Richard Foster, Eugene Peterson. I did not take the path from them. I found them along it, and I was grateful for the company.Das sind keine Stufen, die man abschliesst, und keine Technik geistlicher Selbstoptimierung. Sie kehren wieder. Erst später entdeckte ich, wie viele ältere Stimmen diesen Weg schon vor mir gegangen waren: Paulus, Meister Eckhart, Thomas Merton, Dallas Willard, Richard Foster, Eugene Peterson. Ich habe den Weg nicht von ihnen übernommen. Ich habe sie unterwegs gefunden und war dankbar für ihre Gesellschaft.
The question that shifted everythingDie Frage, die alles verschob
More recently, on prayerful walks, something unsettled even this. I had framed my work around one question: how does a self-made leader become a called leader? It is a good question. It can also remain a question about me, about my maturity, my calling, my spiritual development. A more refined version of the same self-reference.In jüngerer Zeit geriet auf meinen Spaziergängen mit Gott sogar das ins Wanken. Ich hatte meine Arbeit um eine Frage herum aufgebaut: Wie wird ein selbstgemachter Leiter zu einem berufenen Leiter? Das ist eine gute Frage. Sie kann aber auch eine Frage über mich bleiben, über meine Reife, meine Berufung, meine geistliche Entwicklung. Eine verfeinerte Form derselben Selbstbezogenheit.
I began to wonder whether even my search for a deeper calling could become another project centred on myself. I could spend years becoming more reflective, more spiritually grounded, more aware of my motives, and still leave unanswered the question of what my life was for.Ich begann mich zu fragen, ob selbst meine Suche nach einer tieferen Berufung zu einem weiteren Projekt werden könnte, in dessen Mitte ich selbst stehe. Ich könnte Jahre damit verbringen, reflektierter zu werden, geistlich gefestigter, aufmerksamer für meine eigenen Motive, und die Frage, wozu mein Leben da ist, trotzdem unbeantwortet lassen.
The question shifted. Not only how a leader becomes called, but what a leader is called for. What is meant to become possible in the world through a life that has been changed?Die Frage verschob sich. Nicht nur, wie ein Leiter berufen wird, sondern wozu ein Leiter berufen ist. Was soll in der Welt möglich werden durch ein Leben, das verwandelt worden ist?
The called leader is not the end product of his own transformation.Der berufene Leiter ist nicht das Endprodukt seiner eigenen Verwandlung.
The vine and the branchesDer Weinstock und die Reben
Jesus put it in an image anyone who has walked through a vineyard understands: “I am the vine; you are the branches. Whoever abides in me and I in him, he it is that bears much fruit, for apart from me you can do nothing” (John 15:5).Jesus fasste es in ein Bild, das jeder versteht, der einmal durch einen Weinberg gegangen ist: «Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun» (Johannes 15,5).
A branch does not bear fruit by trying harder. It bears fruit by remaining connected. And the fruit is not for the branch. No vine grows grapes for itself. The question is therefore not only “How do I become a better leader?” but “What grows from my life when I remain in Christ?”Eine Rebe bringt nicht Frucht, indem sie sich mehr anstrengt. Sie bringt Frucht, indem sie verbunden bleibt. Und die Frucht ist nicht für die Rebe. Kein Weinstock trägt Trauben für sich selbst. Die Frage lautet deshalb nicht nur «Wie werde ich ein besserer Leiter?», sondern «Was wächst aus meinem Leben, wenn ich in Christus bleibe?»
That fruit cannot be fully planned or reduced to a dashboard, but it can be discerned. I see it at three connected levels. There is inner fruit: love, patience, truthfulness, freedom from compulsive self-justification, and the capacity to carry responsibility without making ourselves its centre. There is relational fruit: trust, reconciliation, honest conversations, and a different way of handling power, conflict and vulnerability. And there is institutional and social fruit: decisions, incentives, structures and cultures that serve human life, make responsibility possible and reduce needless harm. In practice this can be as concrete as an executive team that learns to hear bad news early, so that risk no longer hides in what no one dares to name. In the end, a leader’s transformation shows less in how he understands himself than in what people experience under his leadership.Diese Frucht lässt sich nicht vollständig planen oder auf ein Dashboard reduzieren, aber sie lässt sich erkennen. Ich sehe sie auf drei miteinander verbundenen Ebenen. Da ist die innere Frucht: Liebe, Geduld, Wahrhaftigkeit, Freiheit von zwanghafter Selbstrechtfertigung und die Fähigkeit, Verantwortung zu tragen, ohne sich selbst zu ihrem Zentrum zu machen. Da ist die Frucht in den Beziehungen: Vertrauen, Versöhnung, ehrliche Gespräche und ein anderer Umgang mit Macht, Konflikt und Verletzlichkeit. Und da ist die institutionelle und gesellschaftliche Frucht: Entscheidungen, Anreize, Strukturen und Kulturen, die dem menschlichen Leben dienen, Verantwortung möglich machen und unnötigen Schaden verringern. Im Alltag kann das so konkret sein wie ein Leitungsteam, das lernt, schlechte Nachrichten früh zu hören, damit sich Risiken nicht länger in dem verbergen, was niemand auszusprechen wagt. Am Ende zeigt sich die Verwandlung eines Leiters weniger darin, wie er sich selbst versteht, als darin, was Menschen unter seiner Führung erleben.
The levels belong together. Inner change without relational consequence remains only half visible. Good intentions without institutional consequence usually remain weak. Yet institutional success is no proof of spiritual maturity. Fruit has to be tested against truth, love, justice and what actually happens to people. Sometimes it looks like faithfulness, reconciliation or a principled refusal that no quarterly report will ever record.Die Ebenen gehören zusammen. Innere Veränderung ohne Folgen für die Beziehungen bleibt nur halb sichtbar. Gute Absichten ohne Folgen für die Institution bleiben meist schwach. Und doch ist institutioneller Erfolg kein Beweis geistlicher Reife. Frucht muss sich prüfen lassen an Wahrheit, Liebe, Gerechtigkeit und an dem, was mit Menschen tatsächlich geschieht. Manchmal sieht sie aus wie Treue, wie Versöhnung oder wie ein klares Nein aus Überzeugung, das kein Quartalsbericht je verzeichnen wird.
From the soul of the leader to the worldVon der Seele des Leiters in die Welt
None of this is a mechanical chain in which a changed person automatically produces a better organisation. The movement runs both ways. Leaders shape relationships, institutions and markets; institutions and markets shape leaders in return, forming their habits and narrowing or widening what seems possible. Forming individuals is therefore not enough. We also have to look honestly at the structures within which they lead.Nichts davon ist eine mechanische Kette, in der ein veränderter Mensch automatisch eine bessere Organisation hervorbringt. Die Bewegung verläuft in beide Richtungen. Leiter prägen Beziehungen, Institutionen und Märkte; Institutionen und Märkte prägen umgekehrt die Leiter, formen ihre Gewohnheiten und verengen oder weiten, was möglich erscheint. Einzelne Menschen zu formen genügt deshalb nicht. Wir müssen auch ehrlich auf die Strukturen schauen, in denen sie führen.
This is why I care about leaders in particular. They stand at the point where an inner life meets budgets, incentives, governance and the daily use of power. Inner transformation remains central, but it is not a place to retreat to. It becomes the source of a responsible presence in the world.Deshalb liegen mir gerade Leiter am Herzen. Sie stehen an der Stelle, an der ein inneres Leben auf Budgets, Anreize, Governance und den täglichen Gebrauch von Macht trifft. Innere Verwandlung bleibt zentral, aber sie ist kein Rückzugsort. Sie wird zur Quelle eines verantwortlichen Wirkens in der Welt.
Back to the motorwayZurück auf die Autobahn
The prayer I prayed in the car was not wrong to ask for change. It was aimed at the wrong place, and it stopped too soon. Change me, yes. But then: let what you grow in me reach the people and the places you have entrusted to me.Das Gebet, das ich im Auto betete, war nicht falsch, weil es um Veränderung bat. Es zielte auf den falschen Ort, und es hörte zu früh auf. Verändere mich, ja. Aber dann: Lass das, was du in mir wachsen lässt, die Menschen und Orte erreichen, die du mir anvertraut hast.
So I leave you with the question that now shapes my own work. What fruit is meant to grow through your leadership, beyond you? And which structures in the organisation you serve would look different if it did?So lasse ich Sie mit der Frage zurück, die heute meine eigene Arbeit prägt. Welche Frucht soll durch Ihre Führung wachsen, über Sie hinaus? Und welche Strukturen in der Organisation, der Sie dienen, sähen anders aus, wenn sie es täte?
The vine has not moved. Remain, and see what grows.Der Weinstock hat sich nicht bewegt. Bleiben Sie, und sehen Sie, was wächst.